Tagebuch im Hurricane Wilma

Der Hurrikan Einsatz:

Der Hurrikane Einsatz:



Mittlerweile ist es Sonntagabend, 20 Uhr. Wir Sitzen in unserem Hotel in Fort Myers / Florida mit einer schwer ergatterten Pizza von DOMINO´s PIZZA !
Das Geschäft schlechthin, da alle Geschäfte samt Gastronomie schon seit 16 Uhr geschlossen sind!

Es dauert noch ca. 3 Stunden bis die ersten Ausläufer von Hurrican Wilma die Westküste von Florida erreichen.
Das Zentrum, auch Auge genannt, soll um 6.00 Uhr etwas unter NAPLES zirka 45 KM von uns entfernt ankommen.

Der Plan:

Unser PLAN ist, um 4 Uhr aufzustehen und von Fort Myers weiter in den Süden bis nach Naples zu fahren, um dort das Zentrum von Wilma zu erleben bzw. per Video und Bilder zu dokumentieren.

Der Trip:

Die Autofahrt gestaltet sich wie erwartet schwierig, da Windgeschwindigkeiten von ca. 120 km/h jetzt schon die Westküste erreicht haben. Stromausfälle und entwurzelte Bäume machen die Fahrt bei absoluter Dunkelheit und mittelstarkem Regen jetzt schon schwierig.
An der Pier von Naples um 5.15 Uhr gut angekommen, kriegen wir die Tür unseres Jeeps kaum auf, die Windstärke hat merklich zugenommen und liegt wohl bei den vorberechneten 180 km/h, was Stufe 3 der Hurrican-Skala entspricht.

Ein Überprüfen des Piers beschert uns auch gleich ein erstes Interview mit dem TV TEAM „ News Channel 4 „. Es dauert aber nicht lange, da der Wind den mittlerweile sehr starken Regen uns allen regelrecht ins Gesicht peitscht!

Nach 10 Minuten haben wir den Pier von Naples für uns alleine und warten auf das Zentrum des Hurrican. Die angezogenen Schwimmwesten, die verhindern sollen, dass sich unsere Regenjacken wie Segel aufblasen, halten bisher perfekt.

Zwei kleine Toilettenhäuser am Anfang der PIER ( ZU SEHEN HIER ) bieten uns einigermaßen Schutz vor dem Hurrican.

Inzwischen ist es kurz nach 6 Uhr, Wilma dürfte ihren Höhepunkt an Stärke erreicht haben. Da sich bei diesen sehr starken Winden noch stärkere Böen bilden, ist dies für uns eher ein Zeichen, dass sich das Auge des Hurrican Wilma etwas weiter südlich aufhält und wir den weitaus GEFÄHRLICHEREN Rand in diesem Moment mitbekommen.
Um 7 Uhr setzt endlich die Dämmerung ein und wir können die ganze Gewalt von Wilma bei einsetzendem Tageslicht betrachten. Es herrscht immer noch sehr starker Regen mit Wind um uns, darüber hinaus ist der „DUST“ ( Wasser-Nebel ), wie wir ihn kennen, wenn wir lange Duschen und dabei die Fenster nicht geöffnet haben, besser zu sehen.

Die Technik in Form von Video- und Digitalkamera hält den harten Bedingungen - Wasser, Sand und Wind - in speziellen Schutzhüllen wieder einmal stand.

Wir sind immer noch die einzigen an der Pier und fragen uns so langsam WARUM !,
da in der Regel auch andere Nachrichtensender auf der Suche nach einer geeigneten Location sind !

Also, entschließen wir uns, zu erkunden, was in der unmittelbaren Umgebung passiert ist…
Unser Auto steht unbeschädigt, aber von unzähligen Palmenzweigen und Kokosnüssen eingeschlossen, nur 50 Meter von uns entfernt. Der Weg dorthin bei massivem Wind ist mehr als nur GEFÄHRLICH, da eine Kokosnuss am Morgen garantiert nicht nur WACH macht !

Nach nur kurzer Fahrt wissen wir warum uns keiner an der Pier besuchen kam: Wir sind eingeschlossen von überfluteten Straßen.

Die Wasserhöhe kann sicher nicht mit der in Cancun mithalten, aber immerhin ist das Wasser an einigen Stellen KNIEHOCH, gemessen an meinem Knie, die Wasserhöhe ist ca. 50 bis 60 cm.

Zu hoch für uns und andere! Auf einen Schlag ändert sich unser Ziel. Die Frage wie kommen wir wieder auf die Hauptstraße, die höher liegt - gemessen an den Straßen um den Strand - beschäftigte uns genauso wie die: Wie lange blieben wir wohl eingeschlossen?

Ich versuche mit einem Stock zum Messen des Wasserspiegels bewaffnet, einen Weg aus dem Überschwemmungsgebiet zu finden ! Das dies kein Spaß ist, sondern lebensgefährlicher Einsatz, begreife ich schnell. Herumfliegende Palmenzweige, Haus/Dach-Teile, Kokosnüsse und eventuell ins Wasser fallende Stromleitungen, kombiniert mit stark mir ins Gesicht peitschendem Wind machen mir wirklich in diesem Moment das Leben schwer.

Mein Kollege Johannes sitzt indes im Auto und kümmerte sich um die neuesten Informationen aus dem Radio !

Nach einiger Zeit, mit voll gelaufenen Gummistiefeln, einmal komplett durchgenässter
( ja auch Regenjacken/-hosen lassen mal Wasser durch ) Kleidung finde ich für uns und unseren Geländewagen doch noch einen wagemutigen Weg zur ersehnten Hauptstraße Highway 41. Die Reise geht vorbei an großen umgestürzten / entwurzelten Bäumen, durch tiefe, überflutete Straßenabschnitte bis hin zu schmalen Bürgersteig-Fahrten.

Nach einer Weile erreichen wir den ersehnten Highway. Mittlerweile ist es 10 Uhr, und der Regen samt Wind lässt auch deutlich nach, sodass wir uns der eigentlichen Arbeit widmen: Fotos machen - der Rest ist Routine.

Es kommen auch immer mehr Leute aus Ihren Häusern… quasi wie nach einem Hurrican ;-)

©2011 Ralph Jobst