Zeitungsbericht über den 11.Sep. 04

vom 13.09.2004

Am dritten Jahrestag der Anschläge von New York und Washington bekräftigte die US-Regierung ihren Kampf gegen den Terror. Fortsetzung von Seite 1 von unserer Agentur und Michael Agricola „Die USA sind entschlossen, in der Offensive zu bleiben“, sagte US-Präsident George W. Bush in seiner wöchentlichen Radioansprache, die auch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. „Die Anschläge waren ein Wendepunkt für unsere Nation. Wir haben unsere Mission akzeptiert, wir werden den Feind schlagen.“ Gleichzeitig setzten sich die USA für eine Demokratisierung des Nahen Ostens ein. Wenn die Menschen dort ein besseres Leben hätten, habe die Ideologie des Hasses keine Chance. Auch der demokratische Präsidentschaftsbewerber John Kerry wandte sich in einer Radioansprache an die Nation. „Wir sind ein geeinigtes Amerika in unserer unbeugsamen Entschlossenheit, das Land zu verteidigen und die Terroristen zu finden und zu fassen, bevor sie uns treffen“, sagte Kerry. Am Ground Zero, wo die Zwillingstürme des World Trade Centers vor drei Jahren nach dem Aufprall von zwei entführten Flugzeugen einstürzten, verlasen Angehörige die Namen der 3 749 Opfer. Dreieinhalb Stunden klangen die teilweise tränenerstickten Stimmen von Eltern und Großeltern über den Platz. Angehörige, von denen viele Bilder ihrer ermordeten Väter, Ehemänner, Schwestern oder Brüder mit sich führten, legten am Fundament des World Trade Centers Blumen nieder. Auf dem Heldenfriedhof in Arlington bei Washington trauerte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld mit Angehörigen der 184 Menschen, die starben, als Terroristen ein entführtes Flugzeug in das Pentagon lenkten. Unweit des Pentagons wurde der Opfer mit 184 Glockenschlägen gedacht. „Der 11. September war ein Ruf zu den Waffen“, sagte Rumsfeld. Die Welt schaue auf Amerika, um den Kampf gegen den Terrorismus anzuführen. Auf dem Feld in Pennsylvania, wo die vierte entführte Maschine abgestürzt war, trauerten Angehörige der 40 Getöteten. Dass gerade im Süden der USA der 11. September für viele Menschen angesichts der drohenden Gefahr durch den Hurrikan „Ivan“ in den Hintergrund rückt, stellten unterdessen die beiden Marburger Ralph Jobst und Johannes Bohnke am Wochenende in Miami fest. Jobst, Betreiber des Marburger Internet-Event-Portals „spitz-klicker.de“, berichtete gegenüber der OP von zunehmend nervösen Menschen, die vor wenigen Tagen den Sturm „Frances“ überstanden haben und den Gedenkfeiern in New York und Washington diesmal wenig Aufmerksamkeit widmen. Jobst: „Sie sind eher damit beschäftigt, die Läden leer zu kaufen und sich vor dem Sturm mit Stromgeneratoren zu versorgen.“ Ein von Jobst befragter Tankstellenmitarbeiter hat sich zudem „an die ständig präsente Gefahr“ durch mögliche Terroranschläge gewöhnt. Er meint: „Es ist nicht mehr so wie im ersten Jahr nach den Anschlägen.“ Ein anderer sagt: „Ich habe im Moment anderes im Kopf, als an den 11. September zu denken.“ In Pakistan gingen Hunderte von Menschen in mehreren Städten auf die Straße. Zu den Protesten hatte das mächtige islamistische Bündnis MMA aufgerufen. In Islamabad verurteilte der prominente MMA-Funktionär Maulana Fazlur Rehman den Antiterrorkrieg der US-Regierung als „Kreuzzug gegen die Humanität und besonders die Muslime.“(dpa)

©2011 Ralph Jobst