15/16.09.04 in Pensacola / Florida
vom 16.09.2004
Hurrikan „Ivan" rast mit 257 Kilometern auf die Golfküste zu und wird heute auf dem Festland erwartet.
Mit einer Massenflucht ins Landesinnere haben die Einwohner der US-Golfküste Schutz vor dem herannahenden Hurrikan „Ivan“ gesucht.
Knapp zwei Millionen Menschen in Florida, Mississippi, Alabama und Louisiana wurden gestern aufgefordert, sich in Sicherheit zu bringen. Besonders gefährdet ist die Stadt New Orleans, die unter dem Meeresspiegel liegt. In Kuba meldeten die Behörden nach einer ersten Hurrikan-Bilanz schwere Zerstörungen an der Südwestküste, Menschen wurden offenbar aber nicht getötet. Die Vereinten Nationen lobten am Dienstag (Ortszeit), Kuba sei für den Hurrikan in vorbildlicher Weise gerüstet gewesen. Selbst reichere Länder könnten sich daran ein Beispiel nehmen, sagte Salvana Briceno, Direktor des UN-Büros für Katastrophenhilfe, in Genf.
In den USA gab das nationale Hurrikan-Zentrum eine Sturmwarnung für einen fast 500 Kilometer langen Küstenstreifen heraus. Meteorologen warnen vor knapp fünf Meter hohen Flutwellen. New Orleans könnte im schlimmsten Fall wochenlang bis zu sechs Meter unter Wasser stehen, fürchten Experten. Die Stadt liegt in einer Senke zwischen dem Mississippi und dem See Pontchartrain und muss selbst in normalen Zeiten durch Kanäle und Pumpen entwässert werden.
Auf der wichtigsten Ausfallstraße Richtung Inland standen die Autos schon am Dienstag Stoßstange an Stoßstange. Bürgermeister Ray Nagin rief die Einwohner dringend auf, die Stadt zu verlassen. Gleichzeitig räumte er ein, für mindestens 100 000 würde dies schwierig werden, weil sie kein Auto hätten.
Der Flughafen von New Orleans war Dienstagabend aus Sicherheitsgründen geschlossen worden. „Ivan“ wird mit Windstärken bis zu 257 Stundenkilometern an der Golfküs te erwartet, er sollte heute auf Land treffen.
Die beiden Marburger Ralph Jobst und Johannes Bohnke, die für eine Marburger Szene-Seite im Internet von den Auswirkungen des Hurrikans berichten wollen, erwarteten im Gespräch mit der OP gestern das Auftreffen des Sturms auf das amerikanische Festland für 4 Uhr morgens unserer Zeit. Der Sturm nahm zuletzt einen westlicheren Verlauf als ursprünglich angenommen, sodass „Ivans“ Zentrum auf der Höhe von Pensacola im Grenzgebiet der US-Staaten Alabama und Florida erwartet wird.
Ein stärkerer Wind sei schon gestern spürbar gewesen und die See vor Pensacola Beach war höher als sonst, so Jobst.
Neben dem Sturm wird dort auch eine acht Meter hohe Flutwelle erwartet. Der Marburger berichtete von Autoschlangen, die sich aus dem Gebiet weg in Richtung Zentralflorida bewegten. „Die Nervosität steigt und die Menschen flüchten mit Sack und Pack.“
Von unserer Agentur und Michael Agricola von der Oberhessischen Presse.
* Zeitungsbericht über den 11.Sep. 04
* Bilder vom Hurricane IVAN
* Kursverlauf von IVAN
VOM 18.9.2004
* Miami *
Der Hurrikan „Ivan“ hat im Südosten der USA schwere Schäden hinterlassen. Nach US-Medienangaben starben in den betroffenen US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko mindestens 23 Menschen. Erste Schätzungen bezifferten die Schäden auf 3,3 bis 8,2 Milliarden Euro.
US-Präsident George W. Bush rief für mehrere Bundesstaaten den Notstand aus. „Ivan“ hatte sich nach seiner „Attacke“ auf die US-Golfküste am Donnerstag zu einem tropischen Sturm abgeschwächt, bleibt aber weiter gefährlich.
Die beiden Marburger Ralph Jobst und Johannes Bohnke erlebten den Wirbelsturm in ihrem Hotel in Pensacola im Grenzgebiet zwischen Florida und Alabama in seiner vollen Wucht. Das Dach des Hotels sei von der Kraft des Hurrikans weggerissen, viele Autos, da runter auch das der Marburger, sind zerstört worden, berichtet Jobst, der in Marburg ein Event-Portal im Internet betreibt. „Ivan“ habe unglaubliche Kräfte bewiesen, so Jobst weiter, der das Ausmaß der Schäden in der Stadt erst am nächsten Tag erkannte.
Der Sturm hat Stahlträger an einer Tankstelle mitsamt dem Dach einfach umgebogen. Bei einem gemauerten Kaufhaus in der Innenstadt seien die Außenwände eingedrückt worden, Waren lagen auf der Straße. Um Plünderungen zu verhindern, patroullieren Polizei und Nationalgarde ständig in der Stadt.
Strom und Wasser seien in der gesamten Region ausgefallen, es sei derzeit schwierig, an Benzin zu kommen, und eine wichtige Verbindungsautobahn ist nach Jobsts Angaben unpassierbar, weil eine Betonbrücke vom Sturm zerstört wurde. Andere Straßen sind überflutet. Unterdessen konzentrierten sich Meteorologen bereits auf einen neuen Hurrikan in der Karibik. „Jeanne“ streifte die Dominikanische Republik und bedrohte dann Teile der Bahamas, für die eine Hurrikan-Warnung ausgegeben wurde.
Von unserer Agentur und Michael Agricolavon der Oberhessischen Presse